FORL & Co. –Zahnschmerzen bei Katzen – Informationen von Ihrer Tierzahnärztin bzw. dem Tierzahnarzt

katze-fang

Die FORL (Feline Odontoklastische Resorptive Läsionen) zählt neben der Parodontitis zu den häufigsten Zahnerkrankungen der Katze. FORL, Parodontitis/Periodontitis und andere schmerzhafte Entzündungen von Zahnfleisch und Mundschleimhaut wie z.B. die Feline Stomatitis-Gingivitis treten oft gemeinsam auf und erfordern eine exakte Diagnosestellung durch eine erfahrene Tierzahnärztin bzw. einen Tierzahnarzt, gefolgt von einer individuellen, möglichst zahnerhaltenden und schonenden Therapie.

Das sog. FOPS (Feline Orofacial Pain Syndome), ein neuropathisches Syndrom, das Ähnlichkeiten mit der Trigeminusneuralgie des Menschen aufweist, kann begleitend oder auch unabhängig von Zahnerkrankungen bei Katzen auftreten und erfordert daher besondere Beachtung. Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihre Katze unter FOPS leidet, sprechen Sie unsere Tierzahnärztin Frau Dr. Leopold-Temmler bzw. Ihren Tierzahnarzt unbedingt darauf an.

Katzen zeigen Schmerzen meist nur in Form von sehr diskreten Verhaltensänderungen. Lediglich bei der Felinen Stomatitis-Gingivitis und insbesondere bei FOPS mit den dabei auftretenden starken Nervenschmerzen sind die Symptome deutlicher zu erkennen. Probleme bei der Futteraufnahme, manchmal begleitet von Fauchen, vermehrtes Lecken, teils einseitiges Kauen und Speicheln, können bei Katzen Anzeichen für eine behandlungsbedürftige Zahnerkrankung sein, ebenso wie unangenehmer Mundgeruch.

Aufgrund der Schmerzhaftigkeit von Zahnerkrankungen und zur Vermeidung von chronischen Schmerzen durch Aktivierung des sog. „Schmerzgedächtnisses“ ist bei der Katze ein besonders sorgfältiges, individuelles meist multimodales Schmerzmanagement essenziell wichtig. Dies gilt insbesondere auch im Rahmen von Narkosen für Zahnbehandlungen bei Katzen. Eine entsprechende Schmerz-Nachsorge ist bei Katzen besonders wichtig. Da Schmerzen bei Katzen oft schwer erkennbar sind, arbeiten wir in unserer Fachtierarztpraxis für Kleintiere und Fachpraxis für Tierzahnmedizin im Zooviertel in Hannover mit einer visuellen Skala (Glasgow Pain Score, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28130405), die uns eine sichere und objektive Einstufung und Erkennung und damit eine gezielte Behandlung von Schmerzen bei Katzen ermöglicht.

Diagnostik und Therapie bei FORL

Bei der FORL handelt es sich um eine resorptive Zahnerkrankung, die zu den häufigsten Zahnerkrankungen der Katze gehört und je nach Ausprägung der Erkrankung durch eine erfahrene Tierzahnärztin bzw. einen Tierzahnarzt behandelt werden sollte. Die den Zahn zerstörenden Prozesse beginnen häufig an den Zahnwurzeln der Katze und beziehen erst später auch die Zahnkrone mit ein. Die resorptiven Prozesse brechen oft im Bereich des Zahnhalses nach außen durch, weshalb die FORL auch mit dem Begriff „neck lesions“ bezeichnet wird. Sind bereits äußerliche Defekte („Löcher“) am Zahn zu erkennen, liegt der Zahnnerv frei, sollte aufgrund der Schmerzhaftigkeit durch einen Tierzahnarzt bzw. eine Tierzahnärztin zeitnah behandelt werden. Es gibt zwei Formen der Erkrankung, FORL Typ 1 und FORL Typ 2, die sich hinsichtlich der Behandlung stark unterscheiden. Für die genaue Diagnose und eine korrekte Therapie sind nicht nur aus diesem Grund Dentalröntgenaufnahmen unabdingbar. Befallene Zähne sollten – außer bei FORL Typ 2 und in einigen Sonderfällen – extrahiert werden. Da Katzenzähne recht kleine und oft spröde Zahnwurzeln haben, sind spezielle, teils chirurgische Techniken für die Zahnextraktion bei Katzen heute Standard, da Wurzelreste zu erheblichen Problemen führen können. Grundsätzlich gilt: keine Zahnextraktionen ohne vorheriges Zahnröntgen!

Da es Zusammenhänge mit viralen Infekten gibt, sollten diese zusätzlich abgeklärt werden. Sehr wichtig für die Therapie von Katzen mit FORL ist eine individuell angepasste, sehr sorgsame und meist multimodale Schmerztherapie. Da die FORL einen progressiven Verlauf nehmen kann, sind regelmäßige Kontrollen des Gebisses der Katze wichtig.

Diagnostik und Therapie bei Periodontitis – ein Fall für die spezialisierte Tierzahnärztin bzw. den Tierzahnarzt

Die Periodontitis oder Parodontitis der Katze, früher auch als Parodontose bezeichnet, ist eine Erkrankung des sogenannten Zahnhalteapparates. Die Periodontitis der Katze verläuft progressiv und beginnt zunächst als Zahnfleischentzündung. Es bilden sich nach und nach immer tiefere Zahnfleischtaschen. Der Zahnhalteapparat, ein dreidimensionales Fasernetzwerk, das den Zahn mit dem Zahnfach verbindet, entzündet sich und geht zugrunde. Schließlich lockert sich der Zahn. Die Periodontitis ist eine Folge bakterieller Zahnbeläge, wobei die Bakterien ihre zerstörerische Wirkung vor allem in den Zahnfleischtaschen entfalten. Die Entzündung kann auf den Zahn übergreifen und zu einer Vereiterung des Zahnes führen. In späteren Stadien kommt es zu einem ebenfalls entzündungsbedingten Schwund des Kieferknochens. Insgesamt beeinträchtigt die Periodontitis auch bei Katzen die Allgemeingesundheit, da die chronischen Entzündungsherde das Immunsystem belasten und gefährliche Plaque-Bakterien in den Körper und seine Organe abwandern können. Dazu ist die Periodontitis der Katze häufig Wegbereiter für andere Zahnerkrankungen, insbesondere für die FORL, und kommt daher sehr häufig gemeinsam mit dieser vor.

Diagnostik und Therapie durch den Tierzahnarzt/die Tierzahnärztin: Feline Gingivitis-Stomatitis (syn. Feline Stomatitis-Gingivitis; Feline Gingivo-Stomatitis)

Bei der Gingivitis-Stomatitis der Katze - der sogenannten Felinen Gingivitis-Stomatitis - handelt es sich um eine spezifische Entzündung im Bereich des Mäulchens der Katze, bei der bestimmte Immunzellen eine dominierende Rolle spielen. Meist ist auch der Arcus palatoglossus, der weiter hinten im Rachen lokalisiert ist, mit betroffen. Die Feline Gingivitis-Stomatitis gilt als eine der schmerzhaftesten Erkrankungen im Bereich des Mäulchens der Katze. Symptome sind Probleme bei der Futteraufnahme. Ganz typisch: Die Katze versucht zu fressen oder zu trinken, und läuft fauchend vom Napf weg. Die Behandlung erfordert ein sehr genaues diagnostisches Vorgehen. Begleiterkrankungen wie FORL oder Periodontitis müssen identifiziert und mitbehandelt werden, damit eine Therapie Aussicht auf Erfolg hat. In einigen Fällen ist die Absicherung der Diagnose durch die Entnahme einer kleinen Gewebeprobe sinnvoll. Die Therapie kann schwierig sein, eine Ausheilung ist nicht immer möglich. Wichtig ist in jedem Fall eine individuelle Behandlung der Stomatitis-Gingivitis unter Berücksichtigung der für die jeweilige Katze identifizierten wichtigen Begleitfaktoren. Neben einer klassisch-medikamentösen Therapie stehen aktuell eine Lasertherapie und naturheilkundliche Begleitverfahren zur Verfügung.

In den USA wird derzeit an einer Stammzelltherapie für die Behandlung der Felinen Gingivitis-Stomatitis geforscht. Die ersten Ergebnisse sind erfolgsversprechend, jedoch steht die Therapie derzeit noch nicht zur Anwendung in der Praxis zur Verfügung.

Ausführliche Informationen zur Behandlung von Zahnkrankheiten in unserer fachtierärztlichen Praxis und Fachpraxis für Tierzahnheilkunde/Tierzahnarztpraxis und Innere Medizin (Kleintiere) in Hannover erhalten Sie hier.